Offener Brief

 

Hier finden Sie einen offenen Brief in eigener Sache, mit dem ich für Verständnis für unsere Situation werben möchte und Sie zum nachdenken anregen möchte. Inhalte sind keinesfalls persönlich gemeint.

 

 

Sehr geehrte Patienten, wie hätten Sie es denn gern?

 

So oder so ähnlich würden vermutlich viele gerne begrüßt werden. Ich jedenfalls habe keine Idee mehr, wie ich es etlichen Patienten recht machen kann.

 

Seit Anfang 2020 beschäftigen wir uns mit Corona. Im Februar 2020 nahm ich erstmals wegen eines Patienten Kontakt zum Gesundheitsamt Stadthagen auf. Daraufhin meldete sich ein leitender Angestellter (dessen Namen ich hier bewusst nicht nennen möchte) ganz süffisant mit: „So Herr Melz, Sie haben also den zweiten Coronafall in Niedersachsen“. Auf meinen Wunsch, sich zusammenzusetzen und eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, wie wir einer eventuellen Welle von Coronapatienten begegnen, wurde schmunzelnd entgegnet, dass das wohl nicht nötig sei. Es kam leider anders und wir verzichteten auf unseren Osterurlaub. Wir waren eine der ersten Praxen, die an der Anmeldung eine Plexiglasscheibe installierten und eine Infekt- und Abstrichpraxis einrichteten, dies schon deutlich vor der Containerlösung des Landkreises auf dem Festplatz. 

 

Seit März 2020 versorgen, untersuchen und testen wir Infektpatienten in unserer Mittagspause. Die übrige Sprechstunde bleibt davon unberührt. Als dann irgendwann die Impfungen da waren, impften wir im Pflegeheim und in Behinderteneinrichtungen. Seit in den Praxen geimpft werden darf, impfen wir auch dort. In meiner Freizeit impfe ich auch im Impfzentrum und unterstütze das Schnelltestzentrum des DRK im DM-Markt in Stadthagen. Dennoch läuft unsere Sprechstunde wie gewohnt weiter.

 

Cornaimpfungen in der Praxis. Man glaube bitte nicht, dass Coronaimpfungen wie Grippeimpfungen ablaufen. Das ist mitnichten so. Zur Grippeimpfung kommen die Patienten, die Spritze wird fertig aus dem Kühlschrank genommen, zack in den Oberarm, eine Ziffer im PC eingetragen, fertig. Coronaimpfungen sind anders.

 

Zunächst wird montags der Impfstoff für die Folgewoche bestellt. Vorgeschrieben wird wöchentlich, wieviel bestellt werden darf. Donnerstags bekommen wir die Meldung wie viele Impfdosen wir am folgenden Montag geliefert bekommen. Nun schauen wir unsere Listen durch, wer ist priorisiert, wer hat sich auf die Warteliste gesetzt. Freitagnachmittag (Freizeit) geht die Telefoniererei los. Trotz Pandemie sind Patienten oft nicht zu Hause, die Handynummer ist nicht angegeben, also versuchen wir es am Abend noch einmal (Freizeit). Wenn man jemanden erreicht, heißt es oft: „Ach, nächste Woche habe ich einen Impftermin im Impfzentrum“, „Nein AstraZeneca möchte ich nicht, ich nehme nur Biontech“, „Ach ne, da hab ich einen Termin!“, „Ich möchte aber schon nach xy-Wochen nachgeimpft werden, am Regelzweittermin will ich wegfahren.“, etc. Insgesamt also ein sehr mühsames, stundenlanges Telefonieren. Montags wird der Impfstoff geliefert, mit Übergabeprotokoll. Anfangs mussten sogar noch die Impfaufkleber von uns ausgedruckt werden. Am Impftag müssen die Impfungen mit großer Sorgfalt einzeln aufgezogen werden. Bei Biontech muss der Impfstoff sogar noch angemischt werden. Danach darf die Spritze möglichst nicht mehr großartig bewegt werden und wird dann vorsichtig in den Oberarmmuskel gespritzt. Nach der Impfung müssen die Patienten mindestens 15 Minuten zur Überwachung dableiben. Wie tun bei Mindestabstand von 1,5 bis 2 m? Wir haben erfreulicherweise die Infektpraxis, die wir nutzen können. Andere Praxen können streng genommen, wenn Sie impfen, keine Regelsprechstunde laufen lassen, nur so können die Abstände beim Warten eingehalten werden. Sie schließen ihre Praxis. Anschließend muss die Impfung im PC eingetragen werden, danach wird diese zusätzlich ins Portal der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet.

Pro Coronaimpfung haben wir einen Personaleinsatz von etwa 40 Minuten. Jetzt könnte man denken: Der macht das wegen der Kohle. Nein! Für den Aufwand bekommen wir brutto 20€ pro Impfung. Überall im Internet nachlesbar (https://www.kbv.de/html/50987.php). Also eben kostendeckend.

 

Thema Priorisierung: Anfang 2021 wurden seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Priorisierungsempfehlungen anhand der Priorisierungsrichtlinie vom Februar 2021 erstellt. Wir sollten die Vorschläge überprüfen und die Prioschreiben danach an die Patienten schicken. Also wurden mit viel Personaleinsatz stapelweise Vorschläge überprüft und rausgeschickt. Im März wurde die Priorisierungsrichtlinie dann von der Bundesregierung geändert. Konsequenz,  ….Fluten von Patienten kamen wutentbrannt in die Praxis: „Sie haben mich falsch eingeteilt“. Super, … natürlich sind wir schuld. Nichts sagen, freundlich bleiben und Formular neu erstellen, ausdrucken, unterschreiben, stempeln und gut. Patient ist zufrieden.

 

Dann werden erneut Prioschreiben, dieses Mal von der Regierung in Kooperation mit den „Kranken Kassen“ rausgeschickt. Plötzlich bekommen kerngesunde 16-jährige Priorisierungsschreiben. Von der Kassenärztlichen Vereinigung kommt der dringende Hinweis:“ Nein, die sollen unbedingt geimpft werden, vielleicht gibt es ja doch eine Diagnose, die wir nicht kennen und weswegen der oder die 16jährige hochgradig für einen schweren Verlauf gefährdet ist.“ Die ganze Priorisierung läuft total falsch. Wer ist eigentlich nicht priorisiert. Plötzlich versorgt die in Freiburg studierende Enkeltochter jedes Wochenende Ihre Oma in Schaumburg. Klar, glaub ich alles und bestätige das artig. Highlight meiner Impfarzttätigkeit im Impfzentrum war, als die Mitarbeiter des Gesundheitsamts geimpft werden sollten. Hatte der Landkreis wohl so entschieden. Es sollte eine Mitarbeiterin aus dem Coronastab geimpft werden, die nichts anderes tut als mit Coronapatienten zu telefonieren. Wusste gar nicht, dass man sich über das Telefon anstecken kann. Man lernt nicht aus. Zum Glück ist meine Telefonistin geimpft. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe Verständnis dafür das man geimpft werden möchte und ich habe höchsten Respekt für die Tätigkeit der Mitarbeiter des Gesundheitsamts. Ihr macht das Klasse. Es warten aber noch immer schwer kranke und betagte Patienten auf Ihren Impftermin. Wobei die gesunden, jungen Polizisten natürlich auch schon dran waren. Kindergärtner-/innen waren allerdings nicht gleich am Anfang dran. Denn die Kleinen bekommen ja kein Corona. Schon mal nachgedacht, dass man die einfach nicht sinnvoll testen kann und damit die Testergebnisse vermutlich reihenweise falsch negativ waren? Dafür braucht es keine Studie, nur etwas Hirn. Letzteres scheint im Gesundheitsministerium zu fehlen. Hauptsache die Weste bleibt rein und niemand erfährt den Kaufpreis des neuen Heims von Herrn J. Spahn. (https://www.tagesspiegel.de/politik/4-125-millionen-euro-kaufpreis-fuer-spahns-villa-darf-jetzt-genannt-werden/27018188.html).

 

Und ständig diese Diskussion um den Imfstoff von AstraZeneca. Ja, er gilt bei über 60-jährigen als sicher. Wer macht sich eigentlich Gedanken darüber das die Antibaby-Pille Thrombosen und Embolien auslösen kann. Bitte überlegen Sie mal, am Anfang als es hieß die Alten sind gefährdet, sind da nicht auch die Jungen zuhause geblieben, haben sich zu ihrem Schutz solidarisch verhalten. Haben verzichtet, damit erstmal die Älteren geimpft werden. Millionen Schüler die NICHT für einen schweren Verlauf gefährdet sind, sind monatelang nicht in die Schule gegangen. Für Jüngere ist der Impfstoff nicht empfohlen. Die sind aber diejenigen, die momentan von Covidinfekten am meisten betroffen sind. Sollen die jetzt weiter warten, nur weil Sie, den für Sie als sicher geltenden Impfstoff, nicht wollen? In einer Zeit, in der wir Impfstoffe im Überfluss haben, können wir uns dieses Luxusproblem leisten. Die Pandemie ist NICHT beendet, auch wenn wir alle „coronamüde“ werden und es Lockerungen gibt. Wir müssen Gas geben und die Impfstoffe denen geben, die sie brauchen und denen, die sie vertragen. Und nein, er ist zwar von der Bundesregierung für unter 60jährige freigegeben, aber das ist eine rein politische Entscheidung. Die STIKO (Ständige Impfkommission) trifft die medizinische Entscheidung und nein, die STIKO empfiehlt sie NICHT für unter 60jährige.

 

Wo sind unsere Schwächen? Ja, das Telefon ist dauerbesetzt und man kommt nicht durch. Tut mir leid, ehrlich. Ich habe mehrmals mit unserem Telefontechniker gesprochen, ob da etwas mit der Anlage nicht stimmt. Nein, alles in Ordnung, nur es sind dauerhaft mehrere Anrufe in der Leitung, meist von Patienten die durch Politik und Medien total verunsichert sind. Wir haben aktuell eine Arbeitskraft, die durchgehend telefoniert. Wenn Sie an der Anmeldung stehen und das Telefon dennoch klingeln hören, heißt das nicht, dass niemand ans Telefon geht. Wir haben 6 (SECHS) Telefonleitungen, die können wir nicht alle bedienen. Die sind teils für Notfälle, Faxgerät und Geheimnummer für Kollegen. Daher nutzen viele die Möglichkeit einer E-Mail. Wir schaffen es aber oft nicht die Massen an Mails täglich zu beantworten. Ja, ich habe Verständnis für Ihre Sorgen und Nöte und dass Sie von den Medien überaus verunsichert sind. Bitte schauen Sie auch regelmäßig auf unsere Internetseite. Neuigkeiten versuche ich dort schnell kundzutun.

 

Auch das Sie unsere Praxis nur einzeln betreten dürfen, tut mir echt leid. Wie soll es denn aber unter Einhaltung der Mindestabstände anders funktionieren? Ich bin für Lösungsvorschläge dankbar. Meine Mitarbeiter hatten häufiger schon durchs Fenster gefragt, ob jemand nur etwas abholen will. Da wurde sich dann beklagt, dass man jetzt schon durchs Fenster abgefertigt wird. Der Nächste meckert, warum wir denn nicht weiter Rezepte durchs Fenster rausgeben. Wie man es macht, man macht es falsch.

 

Das ist unser Beitrag zur Coronapandemie, den mein Team und ich gerne leisten.

 

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei meinen tollen Helferinnen und Helfern bedanken, die mit hohem Einsatz dieses System am Laufen halten. Ihr seid wirklich superspitzenklasse. Ihr kommt trotz eigener Krankheit mit dem Kopf unter dem Arm, trotz Kleinkind und schwieriger Betreuungssituation, trotz anstehender MFA-Prüfung, trotz Schmerzen und springt höher als ihr nach Vertrag müsstet, schluckt vieles runter und bleibt professionell, einfach weil ihr seid wie ihr eben seid. Klasse!!!. Danke, dass es euch gibt. Auch ein Dank an meine Söhne, die in stressigen Zeiten aushelfen, ohne eine wirkliche Chance auf Einarbeitung (die Situation ist eben wie sie ist).

 

Und an alle, die es besser wissen, sagen Sie uns, wie wir es machen sollen, damit wir allen gerecht werden und nicht nur Ihnen. Was wir zur Bewältigung der Coronapandemie beitragen wissen Sie nun, was tun eigentlich Sie? Was ist Ihr Beitrag?

 

Bitte nicht nur nörgeln, das alles kostet uns viel Kraft und mit dem Meckern, Nörgeln und teils auch Aggressionen rauben Sie uns den Rest Kraft, die wir brauchen, um Sie und ihre Mitmenschen zu versorgen. Bitte behandeln Sie meine Mitarbeiter so wie Sie behandelt werden möchten. Und sollten Sie mal richtig Dampf ablassen wollen, wenden Sie sich bitte direkt an mich.

 

Ich hoffe auf Ihr Verständnis, Ulrich Melz

 

Links zu Informationen zum Coronavirus

Robert-Koch-Institut: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV_node.html

World-Health-Organisation: https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019

Bundesministerium für Gesundheit: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-2019-ncov.html

Auswärtiges Amt: https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/china-node/coronavirus

 

!!!! Achtung für die Aktualität und Inhalte der o.g. Links übernehme ich keine Verantwortung!!!!

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Am Kirchhof 7 - 9
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Di: 7:30 - 12:00 Uhr und 16:00 - 19:00 Uhr
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Fr: 7:30 - 12:00 Uhr
Und nach Vereinbarung, Telefonzeiten jeweils 8:00 bis 11:00 Uhr und zu den Sprechzeiten am Nachmittag
Bitte sprechen Sie alle Termine zuvor ab. Nutzen Sie dazu Telefon, Email und Fax. Sollten Sie irgendeine Art von Infektsymptomen haben, dürfen Sie die Praxis im Erdgeschoss keinesfalls betreten. Rufen Sie uns an oder klingeln Sie 3x und warten dann VOR der Haustür. Ein Mitarbeiter wird sich Schutzausrüstung anziehen (das dauert etwas) und sich dann um Sie kümmern. Vielen Dank.
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29.03.2021 - 9.04.2021
14.05.2021
25.05.2021
2.08.2021 - 20.08.2021
18.10.2021 - 29.10.2021
23.12.2021 - 7.01.2022
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